10.05.2010 – Isabell Steinböck / Westfälischen Nachrichten: So nah und doch so fern

Pressespiegel

 

10.05.2010 – Isabell Steinböck in den Westfälischen Nachrichten
So nah und doch so fern

„Envelopes“: Choreografin Keren Levi und Musiker Tom Parkinson gastierten im Pumpenhaus

Miteinander verbunden sein, gezwungenermaßen oder freiwillig. Aneinander gekettet sein oder sich in Liebe zueinander bekennen. Keren Levi (Choreografie) und Tom Parkinson (Musik) beschäftigen sich mit dem Spannungsfeld, in dem sich Geschwister mitunter befinden. In „Envelopes“, einem Performancestück, das im Rahmen des Festivals „Statements“ im Pumpenhaus zur deutschen Erstaufführung kam, stehen zwei Schwestern und Zwillingsbrüder gemeinsam auf der Bühne.

Das knapp einstündige „Tanzkonzert“ gliedert sich in drei kurze Stücke. Den Anfang machen Keren und Reut Levi, wenn sie sich im schwarzen Arbeiteroverall aneinandergekettet gegenüberstehen wie Bergsteiger. In bodenzentrierten, schwerfällig anmutenden Bewegungen streben die beiden Tänzerinnen auseinander, schleifen einander über den Boden oder lassen sich fallen. Zuvor hat das Quartett davon gesungen, Teile einer Kette zu sein, die zusammengehören. Im ersten Teil scheinen sich die Tänzerinnen noch dagegen aufzubäumen, choreografisch wie tänzerisch ist dies allerdings wenig kunstvoll umgesetzt.

Ideenreicher ist der zweite Teil. Eine Kamera nimmt Bewegungen durch eine Spalte zwischen zwei Tischen auf, darauf stehen die Performer. Tom Parkinson projiziert ein Boot auf die Bühnen-Leinwand, das keins sein soll. Es folgen Assoziationen von Wellen und schwankenden Schiffen. Keren Levi und ihr Partner stehen auf den Tischen und verlagern ihr Gewicht von einer Seite zur anderen, drehen sich umeinander, umfassen einander wie im Kampf oder halten sich an den Handgelenken fest. Am Ende ist zwar zu lesen, dass sie auf keiner Insel angekommen sind, aber Halt haben sie gefunden.

Der dritte Teil schließlich steht ohne ersichtlichen Zusammenhang zu den ersten beiden Stücken, die zumindest vom Konzept her zueinander passen. Das Publikum wird auf die Bühne gebeten, um zwei Musikern zuzusehen, wie sie auf Plastikschüsseln und Metallschalen Schlagzeug spielen.