07.05.2010 – Heiko Ostendorf / Münsterschen Zeitung: Lautsprecher im Gespräch

Pressespiegel

 

07.05.2010 – Heiko Ostendorf in der Münsterschen Zeitung
Lautsprecher im Gespräch

Campo aus Belgien parodieren im Pumpenhaus das Theater

Wenn sich Theater mit sich selbst befasst, ist das oft für Außenseiter ein langweiliges Unterfangen. Nicht so bei der belgischen Gruppe Campo am Mittwoch im Pumpenhaus.
„Five People“ heißt ihr Stück, doch die fünf Personen bleiben zunächst im Hintergrund. Nur eine Schauspielerin erscheint zu Beginn auf der Bühne. Sie beschreibt die Szene, wieviele Stühle dort stehen, welche Personen auftreten werden, als würde sie Regieanweisungen abspulen. Dann spielt sie selber die verschiedenen Figuren, wechselt eine Glühbirne aus, führt mit sich selbst Dialoge, indem ihre Stimme aus den Lautsprechern unter den Stühlen kommt. Letztlich unterhalten sich die Lautsprecher ganz ohne Menschen miteinander. Dialog ohne Dialogpartner: Das stellt witzig die Theaterrealität in Frage. Und so geht es weiter. Zwei Frauen singen eher schief und laut als schön und treffsicher im Halbdunkel. Sinn? Ebenfalls Fehlanzeige.
Dann legt sich Trockennebel über die Bühne. Western-Filmmusik erklingt. Die Lichtanlage des Pumpenhauses zeigt, was sie kann. Und das nicht nur ohne dazugehörige Handlung, sondern auch ohne Darsteller. Hier wird nicht dem Theater das Effekthaschende genommen. Stattdessen muss der Effekt ohne Theater auskommen.

Nutzlose Requisiten

Und Campo um den Ideengeber Dirk Pauwels setzen noch einen oben drauf. Requisiten werden auf die Bühne geholt. Aber was bedeuten in dieser Aufführung schon Requisiten? Zufällig erscheint die Auswahl der Gegenstände: Fahrrad, Kartons, Schirm, zahlreiche Pflanzen. Bis auf der gesamten Bühnenfläche kein Flecken mehr frei ist. Das war´s. Die Campo- Schauspieler verweigern den Dingen die Bedeutung, benutzen sie einfach nicht weiter, sondern setzten sich auf fünf Hocker und versuchen im Chor Sätze zu improvisieren. „Das Ziel des Projekts ist, verschiedene Wege der Kreativität zu entwickeln“, stottern sie auf Englisch.
Schließlich werden die Gegenstände wieder zurückgebracht. Damit ist diese schreiend komische Theaterselbstanalyse an ihrem holprigen Ende angekommen. Langer Applaus.