04.05.2010 – Jasmin Maus / Westfälischen Nachrichten: Hauptsache, es macht glücklich

Pressespiegel

 

04.05.2010 – Jasmin Maus für die Westfälischen Nachrichten
Hauptsache, es macht glücklich

Cactus Junges Theater feiert mit „Beautiful Freak(s) Premiere im Pumpenhaus

Münster – „Leute ohne Macken sind scheiße.“ Ein Fazit, das es nicht nur ausdrücklich in sich hat. Aber treffender hätten es die sechs Protagonisten auf der Bühne nicht auf den Punkt bringen können. Denn bei der Premiere von „Beautiful Freak(s)“ am Sonntagabend im ausverkauften Pumpenhaus war es geradezu „out“, ein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Was macht euch zu Freaks? Und kann man Außenseiter überhaupt definieren? Diesen Fragen gingen die drei weiblichen und drei männlichen Hauptdarsteller von Cactus Junges Theater gemeinsam mit einem begeisterten Publikum nach. Jemand ist anders, weil er keiner Norm entspricht. Aber was ist schlimmer? Das „Anders-Sein“ oder die Norm? Zu allem immer „ja“ sagen oder doch lieber in der Gesellschaft auffallen? Entscheidungen, die jeder irgendwann einmal für sich treffen muss.

Und dann gibt es da noch die bösen, herzlosen Mitmenschen, die vor Intoleranz und fehlendem Solidaritätssinn nur so schocken. Schon in der Grundschule wird „Klein-Lisa“ wegen ihrer „Hasenzähne“ gemobbt. In der siebten Klasse legt sie sich dann lieber nicht mit Saskia an, weil die sonst alle anderen Mitschüler auf sie hetzt. Erst mit 15 Jahren packt Lisa der Mut. Zahnspange und braver Mädchen-Look werden abgelegt, und es wird rebelliert. Die Lehrer stört´s, die Eltern sowieso – aber Lisa fühlt sich endlich wohl in ihrer Haut.

In Abgründe dieser und anderer Art stürzen sich die Akteure leidenschaftlich, laut und teilweise ekstatisch. Schließlich stammen sie aus eben jener Generation, die sich gerne mit Daily Soaps durch den Tag quält, Kopfhörer benutzt, um sich vor der Außenwelt abzuschirmen oder schneller ein Urteil über Mitmenschen fällt, als der eigene Schatten den Boden erreicht.

Dem Team um Alban Renz (Regie) und Katharina Maiss (Dramaturgie) ist eine Theater-Collage gelungen, die – genau wie das reale Leben – vor nichts zurückschreckt. Der Zuschauer wird auf eine Reise in sein eigenes Ich mitgenommen und hat Zeit, sich selbst zu reflektieren. Trotz vieler Seitenhiebe bleibt der letztendliche Tenor aber deutlich: „Es ist egal, was du bist. Hauptsache ist, es macht dich glücklich.“