03.05.2010 – Sabine Müller / Münsterschen Zeitung: Mit dem Mondmann getanzt

Pressespiegel

 

03.05.2010 – Sabine Müller in der Münsterschen Zeitung
Mit dem Mondmann getanzt

„Das war was“, erklärt Nándor Hevesi. „Das war was? Was war was…“ das Deutsch des ungarischen Musikers klingt dadaistisch. Doch die nuschelige Kauderwelsch-Ansage bringt es auf den Punkt. Was Pop Ivan auf der Bühne des Pumpenhauses am Freitag zum Tanz in den Mai veranstaltete, war ein knalliges Statement, nirgendwo einzuordnen.
Aufgestellt wie eine Mini-Bigband basteln die sechs Musiker einen schweren, vollen Sound, der sich nicht zwischen melodisch und schräg entscheiden will. Sie experimentieren und improvisieren mit Posaune, Bass, Keyyboard, Gitarre, Schlagzeug, Saxofon, Trompete, allerlei Schellen- und Klappertand sowie einer Instrumenten- „Zauberkiste“ samt Megaphon, aus der sich Krisztián Horváth reichlich bedient. Was daraus geboren wird ist ziemlich unordentlicher Balkan-Pop, blutsverwandt mit Free Jazz, verbandelt mit Elektro-, Rock und Latinorhythmen, flirtend mit Klassikthemen. Und wenn man meint, ihnen gerade auf die Spur  gekommen zu sein, wechseln sie schon wieder das komplette Klangbild, treiben ihren Schabernack mit jeglicher Konvention.
Es ist ein merkwürdiger Sountrack für merkwürdige Bilder, die über eine Videoleinwand flimmern: schnell geschnittene, wackelige Szenen von Schwangeren, Gänsen und seltsamen Mondmännern, von Tieren und Toiletten. Hier wird klar, dass die Jungs aus Budapest einst fusionierten aus Malern, Filmern und Musikern.
Es war ein denkwürdiger Tanzabend, bei dem vielen das Tanzen schwer fiel. Doch der Applaus war groß. Die Räucherstäbchen in den Gitarrenhälsen brannten, in den Gläsern auf der Bühne vibrierte der Rotwein und Nándor Hevesi rief: „Tanzt den Mai!“