03.05.2010 – Esther Georg / Westfälischen Nachrichten: Eine lebendige Skulptur

Pressespiegel

 

03.05.2010 – Esther Georg in den Westfälischen Nachrichten
Eine lebendige Skulptur

Geburtstags-Gedenken an Paul Wulf auf dem Servatiiplatz

Die von Silke Wagner gestaltete Skulptur Paul Wulfs soll nach einer Entscheidung der Bezirksvertretung Mitte ab ab August für drei Jahre auf dem Servatiiplatz stehen und alle zwei Monate neu plakatiert werden. Das macht sie, so Dr. Bernd Drücke vom Freundeskreis Paul Wulf, zu einer „lebendigen Skulptur“. Anschließend soll sie dann in die Villa ten Hompel kommen.
Am Sonntag veranstaltete das Pumpenhaus im Rahmen des Festivals „Statements“ einen Geburtagskaffee zu Ehren des 1999 Verstorbenen. Gesang, Grußworte und Musik sorgten für eine bunte Veranstaltung. Eingeladen waren unter anderem Schauspieler Helmut Buntjer, Regisseur Hannes Demming und Schriftsteller Burkhard Spinnen. Zudem erinnerte Glockenspieler Manfred Schneider, der Paul Wulf persönlich kannte, mit Stücken wie “ Marsch der Revolutionäre“ an dessen Werk. Bei Kaffee und Kuchen mit Spenden des Café Issel und der Roestbar konnten die Gäste einen gemütlichen Nachmittag verbringen.
Paul Wulf war 1938 „wegen angeborenen Schwachsinns“ von den Nationalsozialisten zwangssterilisiert worden. Dieses traumatische Ereignis brachte den damals 16-Jährigen dazu, sich nach Untergang des Regimes für den Erhalt der Erinnerung einzusetzen. Damit wurde er, so Drücke, zur „Stimme der 350 000 Zwangssterilisierten“ und erhielt 1991 das Bundesverdienstkreuz. Trotzdem wurde der Antifaschismus- Kämpfer erst beim Skulpturenprojekt 2007 laut Drücke zur „öffentlichen Person“. Für den Erhalt der Skulptur hatte sich ein breites, parteiübergreifendes Bürgerbündnis eingesetzt. „Münster muss auch mit kritischer Kultur umgehen können“, so Marita Otte, SPD-Fraktionsvorsitzende in der BV Mitte. Bei der Sparkassen-Ausschüttung im März wurde das Projekt durch weitere 18 000 Euro bezuschusst. Dadurch war der gestrige Geburtstagskaffee nach Angabe des Leiters des Pumpenhauses, Ludger Schnieder, größer ausgefallen als ursprünglich geplant. Im Rahmen von „Statements“ wird es dazu im Mai und Juni noch je eine Lesung zu Ulrike Meinhof und Max Geisberg geben.