01.05.2010 – Torben Zimmermann / Westfälischen Nachrichten: Künstlerpech – Song-Satire wurde ein Hit

Pressespiegel

 

01.05.2010 – Torben Zimmermann in den Westfälischen Nachrichten
Künstlerpech – Song-Satire wurde ein Hit

Münster – Gibt es sie wirklich, die Formel für den garantierten Chartserfolg? Ja, es gibt sie – und zwar schon weitaus länger als RTL und Dieter Bohlen versuchen, einen „Superstar“ nach dem anderen zu produzieren. Bereits 20 Jahre vor DSDS schrieben Bill Drummond und Jimmy Cauty alias The KLF ein Buch mit dem Titel „Der schnelle Weg zum Nr.1-Hit“.

Der Theater- und Hörspielautor Paul Plamper nahm das Handbuch zum Erfolg als Vorlage für eine eigene Produktion: „Top Hit leicht gemacht – in 50 Minuten an die Spitze der Charts.“ Das musikalische Patentrezept bildet den Auftakt der vom Pumpenhaus veranstalteten Hörspielreihe. Als Ort des akustischen Geschehens wählte man dem Thema entsprechend Jörgs CD Forum.

Kurz vor Beginn haben sich neben dem Autor selbst kaum ein Dutzend Interessierte versammelt. Wollen so wenige reich und berühmt werden? Oder haben die meisten erkannt, dass ein Superhit allein in Zeiten von Musikpiraterie ohnehin nicht zum Leben reicht?

Den Anwesenden scheint dies gleich zu sein: In familiärer Atmosphäre, umgeben von Musik-CDs und diversen Nr.1-Hits, lauschen sie gebannt der satirischen Gebrauchsanleitung zum schnellen Geld:

Am Anfang steht ein Arbeitsloser. Nach dem Gespräch mit einem windigen Kredithai hat er genügend Kapital, um für fünf Tage ein Produktionsstudio inklusive Produzenten zu mieten. Da er außer einem nichtssagenden Refrain und einer gesummten Melodie nichts zum Song bei-trägt, treibt er den Hit-Experten fast in den Wahnsinn. Zum Glück ist der Produzent lang genug im Geschäft – er kennt die „Goldenen Regeln“: „Nimm ´ne fette Bassline und ´nen 4/4-Takt – finde den unwiderstehlichen Groove! Halt dich an Klischees, es bringt nichts, nach Originalität zu streben! Verzichte auf die Überleitung, das ist was für musikalisch Ambitionierte!“

Am Ende der fünf Tage Tonstudio und 50 Minuten Hörspiel steht die Single „I can see it in your eyes“. Was von Plamper als „Gegenmodell zum automatisierten Casting-System“ gedacht war, wurde tatsächlich ein Erfolg. Der Song wurde am Markt platziert – und hielt sich im Sommer 2002 mehrere Wochen auf Platz 37 der deutschen Singlecharts . . .