26.04.2010 – Isabell Steinböck / Westfälischen Nachrichten: Bilderreigen für alle Sinne

Pressespiegel

 

26.04.2010 – Isabell Steinböck in den Westfälischen Nachrichten
Bilderreigen für alle Sinne

„Showcase Beat Le Mot“ zeigt Wiedertäufer-Stück „1534“ im Pumpenhaus

Münster – Schon das Bühnenbild zeugt von kreativem Chaos: eine Sanduhr aus riesigen Plastikflaschen, ein Glaskasten, in dem meterhoch Seifenschaum quillt, ein überdimensionaler Experimentierkasten mit flackernden, roten Lampen. Außerdem ein Terrarium, „singende“ Gläser, Wäscheleine, Töpferscheibe. Alles in allem herrscht Lager­atmosphäre: vier Männer arbeiten in Seelenruhe oder sitzen einfach nur da.

Man schreibt das Jahr 1534, die Wiedertäufer haben in Münster das Regiment übernommen. Wie das ausgesehen haben könnte, bringt die Berliner Performance Gruppe „Showcase Beat Le Mot“ mit „1534“ auf die Bühne. Im Rahmen von „Statements“ gastierten die Künstler im Pumpenhaus und zeigten ein ironisches Pendant zu „Herz der Freiheit“, das Wiedertäufer­Stück, mit dem die Historie des Theaters vor 25 Jahren begann.

Die Geschichte ist kurz erzählt: Vier Geistliche, „arm, faul und ohne Einfluss“, wollen ihre Verhältnisse verbessern und schließen sich den Wiedertäufern an. Von nun an erkennen sie weder Privatbesitz noch Obrigkeiten an und lassen ihre eigenen Gesetze gelten, bis die Truppen des Bischofs Franz von Waldeck die belagerte Stadt einnehmen und die Wiedertäufer hinrichten.

Münsters Geschichte ist hier verarbeitet zu einem mit allen Sinnen erfahrbaren Bilderreigen, der sich mit Ruhe genießen lässt. Die ersten 20 Minuten verbringt „Showcase Beat Le Mot“ hauptsächlich damit, die Szene aufzubauen, und auch danach hält sich die schauspielerische Aktion in Grenzen. Dafür gibt es mittelalterlich anmutenden Gesang, duftenden Weihrauch, Lichteffekte, choreografierte Szenen – mit Fratzen, die an Hieronymus Boschs Malerei erinnern – und am Ende Brot und Wein für alle. Die vier Darsteller, in der Ankündigung treffend als die „beste Boy-Group des deutschen Gegenwartstheaters“ beschrieben, setzen auf Optik und sinnlich Erfahrbares, in einer Performance, die sich humorvoll dem Thema rund um Anarchie und Weltherrschaft widmet und dabei unweigerlich auf menschliche Abgründe stößt. Inhalte, die damals wie heute aktuell sind, in einer Theaterfassung, die immer wieder den Bogen zur heutigen Realität schlägt. Ein intelligentes Stück Theater, witzig, kreativ und tiefgründig zugleich.