20.04.2010 – Maria Berentzen / Westfälischen Nachrichten: Alle diesselbe Rasse: Menschen

Pressespiegel

 

20.04.2010 – Maria Berentzen / Westfälischen Nachrichten
Alle diesselbe Rasse: Menschen

Theater T1 brachte schauspielerischeSchwergewichte ins Pumpenhaus

Münster – Der Abend begann bittersüß mit Texten von Italo Svevo und steigerte sich alsbald zu ungeahnter Lautstärke: Das Überraschungspaket vom Theater T1 zum 25. Geburtstag des Pumpenhauses hatte es in sich – und das, obwohl Viviane DeMuynck wegen des Flugverbots fast nicht erschienen wäre, aber doch noch kurz entschlossen gegen halb neun mit dem Bus nach Münster angereist war.

 Zuerst las der Schauspieler Josef Ostendorf, eine markante Erscheinung auf der Bühne, aus „Zenos Gewissen“ des italienischen Autors Italo Svevo. Hier bestätigte sich: Mit dem Rauchen aufzuhören ist einfach. Immerhin hat der Protagonist es auch bereits gefühlte einhundert Male geschafft . . . Schließlich, und das erleichtert seine Seele, stellt er fest, dass er weniger am Nikotin, als vielmehr an den guten Vorsätzen leidet. Als es im Text um den Tod des Vaters geht, tröpfelt nach und nach Schwere in die Lesung – die Ostendorf aber mit seiner aufmerksam-munteren Vorleseart nicht zu düster werden lässt.
Nach einer kurzen Pause begann der wildere Teil des Programms, programmiert vielleicht schon durch das Zebrakleid, in dem Viviane DeMuynck die Aufmerksamkeit auf sich zog. Lebendig und ungezähmt zupfte Jean Paul Bourelly seine Gitarre, Willi Kellers spielte mit geschlossenen Augen am Schlagzeug und Gilbert Diop trommelte mit Leidenschaft und Kraft auf dem Sabar. Es war ein freies Spiel der Kräfte, eine ungezügelte Improvisation. Wenn kurz ein Instrument dominierte, fügte es sich alsbald wieder in den Sog des gemeinsamen Sounds ein. Es war ein ungewöhnliches Klangbild, das Viviane DeMuynck noch steigerte, indem sie sich immer wieder zu schrillen Schreien hinreißen ließ, in die Diop einstimmte.
Es dröhnte, schepperte, quietschte, und wenn es richtig laut wurde, bebte der Boden im Pumpenhaus. Dazwischen las DeMunyck kurze Texte, wie „This Is Just To Say“ von William Carlos Williams.
Er habe extra Deutsch gelernt, um mit Willi Kellers und dem Publikum „Guter Gatte sein“ aus Nestroys „Häuptling Abendwind“ singen zu können, freute sich Diop, und nach mehreren Anläufen gelang es tatsächlich. Die drei Musiker und die Schauspielerin zeigten bei ihrer Improvisation durch Klang, Gestik und Mimik Humor, so dass es immer wieder Lacher im Publikum ertönten. Diop hatte zum Abschluss noch eine Botschaft fürs zahlreich erschienene Publikum: „Wir sind alle dieselbe Rasse – wir sind Menschen“.