20.04.2010 – Helmut Jasny / Münsterschen Zeitung: Über schlechte Angewohnheiten und gute Vorsätze

Pressespiegel

 

20.04.2010 – Helmut Jasny in der Münsterschen Zeitung
Über schlechte Angewohnheiten und gute Vorsätze

Lesung: Josef Ostendorf im Pumpenhaus

Zeno Cosini fasst immer wieder gute Vorsätze, um dann grandios an ihnen zu scheitern. Erfunden hat ihn der italienische Autor Italo Svevo (1861 -1928) in seinem Roman „La Coscienza di Zeno“, der in Deutschland erstmals 1928 und dann 2000 in einer Neuübersetzung von Barbara Kleiner unter dem Titel „Zenos Gewissen“ erschienen ist. Diese zweite Fassung wählte der Schauspieler Josef Ostendorf für seine Lesung im Pumpenhaus.
Ostendorf ist eine imposante Erscheinung, wenn er mit mächtiger Leibesfülle und federnden Schritten die Bühne betritt. Er beherrscht die feinen ironischen Untertöne, die den Text bestimmen. Besonders deutlich wird das, wenn Svevos Held beschließt, sich das Rauchen abzugewöhnen. Er ist so begeistert von seinem guten Vorsatz, dass er sofort wieder zu rauchen anfängt, um es sich erneut abgewöhnen zu können. Bis er am Ende erkennt, dass nicht die Zigaretten das Laster sind, sondern die guten Vorsätze.
Ostendorf geht den Text mit souveräner Gelassenheit an und entwickelt die Gedanken, als entstünden sie gerade in seinem Kopf. Geschickt baut er Verzögerungen ein, mimt den Nachdenklichen, freut sich über eine gelungene Formulierung und steigert so die Wirkung des Gelesenen. Das funktioniert in den lustigen Passagen ebenso wie an den ernsten Stellen, in denen es um die Beziehung Zenos zu seinem im Sterben liegenden Vater geht.

Beat-Poetry

Im zweiten Teil des Abend stand die Musik im Vordergrund. Der amerikanische Jazzgitarrist Jean-Paul Bourelly, der afrikanische Trommler Gilbert Diop und der aus Münster stammende Schlagzeuger Willy Kellers formierten sich mit Viviane De Muynck, der Grand Dame des belgischen Theaters, zu einer Session. Aus Klang und Sprache entstand ein viel- und mitunter auch lauttönendes Impro-Spektakel, das durch De Muyncks ausdrucksstarken Gesang über Strecken an Beat-Poetry der 50er Jahre erinnerte und schließlich in eine Eine-Welt Botschaft mündete.