19.04.2010 – Brigitte Heeke / Westfälischen Nachrichten: Wenn Rita im Regen steht

Pressespiegel

 

19.04.2010 – Brigitte Heeke / Westfälischen Nachrichten
Wenn Rita im Regen steht

Ursina Lardi spielt „Die Kleider der Frauen“ von Brigitte Kronauer / Devid Striesow erkrankt

Münster – „Gehört denn zur Liebe, dass man sich zufrieden gibt?“ Mühelos füllt Ursina Lardi mit großen Fragen an das Leben die Bühne im Pumpenhaus bis in den letzten Winkel. Unmöglich, sich dem zu entziehen, was „Die Kleider der Frauen“ der Wirklichkeit abgelauscht hat, zumal in der eindringlichen Inszenierung von Thorsten Lensing und Jan Hein. Die Produktion des Theaters T1 (Berlin/Münster) beruht auf einem Band mit Erzählungen von Brigitte Kronauer.

Das Stück enthält Momentaufnahmen der Hauptfigur: Rita als Kind, mit Stubenarrest wegen eines verloren gegangenen roten Schals – eine Nichtigkeit angesichts dessen, was Erwachsene mitunter anrichten. Rita als rebellische Jugendliche zur Untermiete bei Schrebergartenbesitzern. Rita im hohen Alter, so einsam, „dass die Möbel im Zimmer anschwellen“. Ihr Blick auf die Welt ist jederzeit geschärft, überdeutlich, von einem naiven „Verstehen-wollen“ der Erwachsenenwelt im Kindesalter über die pauschale Ablehnung ihrer spießigen Vermieter bis hin zu ihrem späteren Zynismus. Ursina Lardi zeichnet diesen Weg so authentisch nach, dass einem zwischendrin fast angst und bange wird.

Bühnenbild und Beleuchtung nutzten gekonnt die Besonderheiten des Ortes. Durch das große Fenster unterstrich das abnehmende Tageslicht das fortschreitende Alter der Hauptfigur. Ein Rasensprenger im Zentrum der Bühne diente als Sinnbild für den Frühling, aber auch für Ritas Gefühl, in den Regen hinaus- geschubst zu werden. Nebenbei spielte diese Requisite auf die Geschichte und die ursprünglich Nutzung des Pumpenhauses an, bevor hier Theater gespielt und getanzt wurde. Einen entsprechend herzlichen Szenenapplaus bekam eine vierköpfige Crew des Pumpenhauses, die die Bühne zum dritten Akt wieder trockenlegte. Die Robert-Walser-Lesung „Man braucht nicht allzu brauchbar sein“ von Oscar-Preisträger Devid Striesow für den zweiten Teil des Abends musste wegen einer kurzfristigen Erkrankung des Schauspielers abgesagt werden. Willi Kellers sprang in die Bresche und stellte mit einem kurzweiligen Solo unter Beweis, dass auch ein Schlagzeug einiges zu erzählen hat. Die Aufführung war Teil der Reihe „Statements“, die das 25-jährige Bestehen des Pumpenhauses feiert.

» Das nächste Statement der Reihe gibt es bereits am Mittwoch. Um 20 Uhr tanzt Lisbeth Gruwez (Antwerpen) mit ihrer Gruppe „Voetvolk“ eine deutsche Erstaufführung mit dem Titel

“Birth of Prey“. Karten unter ‚ 23 34 43.