19.03.2010 – Gerhard Kock / Westfälischen Nachrichten: Pumpenhaus am Puls der Zeit

Pressespiegel

 

19.03.2010 – Gerhard Kock / Westfälischen Nachrichten
Pumpenhaus am Puls der Zeit

Münster – Was vor 25 Jahren mt einem 15-köpfigen Theater-Kollektiv begann, ist inzwischen zu einer international gefragten Spielstätte für zeitgenössische Theater-Experimente geworden: das Pumpenhaus in Münster. Zum Jubiläum hat Geschäftsführer Ludger Schnieder das Festival „Statements“ organisiert, das vom 17. April bis zum 13. Juni 50 Produktionen in 70 Aufführungen zeigt.

Karten: 02 51 / 23 34 43.

Welche Wertschätzung die Spielstätte an der Gartenstraße 123 unter Schauspielern genießt, zeigt, dass zum Auftakt das Theater T1 von Thorsten Lensing mit Ursina Ladi und Devid Striesow die Träger einer Goldenen Palme in Cannes („Das weiße Band“) und einen Oscar-Preisträger („Die Fälscher“) auf der Besetzungsliste hat.
Ein Schwerpunkt der „Statements“ sind die Internationalen Tanztage“ (22. Mai bis 5. Juni). Hier reicht das Spektrum von der Schweizerin „Betraice Fleischlin, die sich in Privatwohnungen bei ihrer Peeping-Performance auszieht bis zur Oper des dänischen Theaters „Hotel Pro Forma“ mit der schwedischen Kult-Band „The Knife“. Sie zeigen in den Städtischen Bühnen „Tomorrow, In a Year“, eine Elektropop-Rock-Oper als Hommage an Charles Darwin.
Zu den herausragenden internationalen Gastspielen zählen das Attis Theatre von Theodoros Terzopoulos aus Athen. Den als Erneuerer der griechischen Tragödie stilbildenden Regisseur entdeckte das Pumpenhaus bereits 1989. Selbstverständlich kommt auch die lokale Szene mit nationalem und internationalem Renommee zum Zuge: Das weltweit agierende Theater Titanick aus Münster zeigt sein Straßentheater „Titanic“. Und Münsters global arbeitender Samir Akika stellt seine aktuelle Choreografie vor.

Filmprominenz 

Spricht’s und beginnt, von den Stars des Festivals zu schwärmen. Von Schauspielerin Ursina Ladi, die gerade groß mit dem Spielfilm „Das weiße Band“ von Michael Haneke herausgekommen ist und am 17. April gemeinsam mit Devid Striesow und dem Berliner Theater T1 gastiert.

Von Josef Ostendorf, der eigens für seinen Abend in Münster am 18. April vom Hamburger Thalia-Theater freigegeben wird.

Von Kirsten Dehlholm, die mit ihrem dänischen Ensemble „Hotel Pro Forma“ die Rockoper „Tomorrow, in a year“ aufführt und als Zwillingsschwester von Star-Regisseur Robert Wilson gehandelt werde.

Ältere und junge Künstler

Ein Leitthema hat das Festival nicht, aber einige Schwerpunkte. Zum Beispiel Körperlichkeit und Vergänglichkeit: „Wir haben sehr viele Tänzer über 50 Jahre auf der Bühne“, sagt Schnieder. Aber eben auch ganz junge Leute: „Bei der Hip Hop Academy aus Hamburg haben vielleicht schon einige Mitglieder Haare unter den Armen, sind aber trotzdem unter 18“, scherzt der Pumpenhaus-Chef.

Das Pumpenhaus allein könnte diese Fülle an Künstlern gar nicht aufnehmen. Deshalb gibt es Aufführungen überall in der Stadt. Gleich zur Eröffnung am 17. April lockt in aller Herrgottsfrühe ein „Birdwatcher Breakfast“ die Vogelfreunde zum Frühstück in die Rieselfelder. Aus gutem Grund: Als das Pumpenhaus-Theater noch ein echtes Pumpenhaus war, wurde von dort Münsters Abwasser sechs Kilometer weit in die Rieselfelder geleitet.

Kulturelle Strip-Show

Weitere Spielorte sind die städtische Ausstellungshalle am Hafen, das Stadttheater – und selbst Privatwohnungen, in denen Beatrice Fleischlin aus Zürich ihre provokante Striptease-Show „My ten favorite ways to undress“ aufführt. Das wird bestimmt eine 1+.

Das komplette Programm der „Statements“ mit Informationen zu den Stücken und vielen Fotografien finden Sie am Samstag (20.3.)  in der Festival-Beilage „Statements“ in unserer Zeitung. Das Programm ist auch im Internet über den nebenstehenden Link zu finden.
Der Vorverkauf für sämtliche Veranstaltungen vom 17. April bis 13. Juni hat im Pumpenhaus begonnen: Gartenstraße 123, Telefon (02 51) 23 34 43.
Der Eintritt für die meisten Tanzgastspiele beträgt 15 (ermäßigt 10) Euro. Einige Veranstaltungen wie das Auftakt-Frühstück mit Vogelstimmen-Wanderung am 17. April (Samstag) um 6.30 Uhr sind frei.
Wer mehrere Aufführungen besuchen möchte, sollte den Kauf einer Pumpenhaus-Karte erwägen. Für 119 Euro (ermäßigt: 89, Jugendliche 59 Euro) hat man ein Jahr lang freien Eintritt im Pumpenhaus, auch bei „Statements“ (Ausnahmen: die Aufführungen von RedArt, Rosas und Hotel Pro Forma).