07.03.2010 – Helmut Jasny / Münsterschen Zeitung: Tanz mit der Mama

Pressespiegel

 

07.03.2010 – Helmut Jasny / Münsterschen Zeitung
Tanz mit der Mama

Es ist die Brachialversion eines Pogo, der abgelöst wird von etwas, das an die Darbietung eines öffentlich-rechtlichen Fernsehballetts erinnert. Man kann Samir Akika viel vorwerfen. Aber sicher nicht, dass er keine Abwechslung auf die Bühne brächte.
In seiner neuen Produktion „ME&myMUM“, die am Freitag im Pumpenhaus uraufgeführt wurde, steht die Beziehung von Mutter und Kind im Mittelpunkt. Und wieder geht es recht robust zu. Nicht ganz so schrill wie in „Extended Teenage Era“ oder „Plastikseele“, aber doch mit einer deutlichen Tendenz zur Überzeichnung. Das ist gewissermaßen sein Markenzeichen. Und er pflegt es mit Bravour.

Die Samir Akika-Familie

Mit Ximena Ameri, Gabrio Gabrielli, Julio Iglesias, Alexandra Morales, Nora Ronge und Antonio Stella sind alte Bekannte am Start, und man ist versucht, von einer Akika-Familie zu sprechen, zumal ständig auch noch zwei Kinder im Vorschulalter über die Bühne wuseln. Leider fehlte Lotte Rudhart bei der Premiere. Sie war krank und wurde kurzerhand durch ihre Mutter ersetzt, die aus München angereist war, um dem Auftritt ihrer Tochter beizuwohnen. Bei den Vorstellungen am 12. und 13. März soll sie aber wieder dabei sein.

Mordfantasien

In einer temporeichen Performance handeln die Darsteller ab, was sich zwischen Mutter und Kind abspielt. Das reicht von zärtlich-anrührenden Momenten bis hin zu wilden Mordfantasien. Waghalsige Breakdance-Einlagen wechseln sich mit Discotanz der 70er ab. Zuweilen geht es auf der Bühne zu wie bei einer Tagesmutter, die sich auftragsmäßig übernommen hat. Eine Kissenschlacht bezieht die vorderen Sitzreihen großzügig mit ein, und ein Mama-Kanon entwickelt sich zur Mini-Oper mit Rezitativ und Arie vom häuslichen Glück.

Zusammen mit der ironischen Überzeichnung ist es diese Überfülle an Eindrücken, die das Stück so sehenswert macht.