18.06.2009 – Isabell Steinböck in den Westfälischen Nachrichten: Cactus Junges Theater: Das Leben – eine Frage der Balance

Pressespiegel

 

18.06.2009 – Isabell Steinböck in den Westfälischen Nachrichten
Cactus Junges Theater: Das Leben – eine Frage der Balance

Münster – Es sieht aus, als hätten Zelte Beine bekommen. Die Oberkörper in ihrer mobilen Bleibe versteckt, laufen Jugendliche in einer langen Schlange durch Münsters Rathausinnenhof. Marimba-Percussion und treibende, afrikanische Rhythmen verleihen der Eröffnungsszene die passende Dynamik.
„Balance“ ist der Titel dieses interkulturellen Jugendtheater-Projekts, eine ambitionierte Produktion von Cactus Junges Theater unter der Regie von Barbara Kemmler und Alban Renz. In Koproduktion mit dem Theater im Pumpenhaus und der Jugendtheater-Werkstatt sind drei münsterische Hauptschulen beteiligt: die Waldschule, die Fürstenbergschule und die Geistschule, ergänzt durch die Steinfurter Marimbagruppe unter der Leitung von James Cassidy. Rund 65 Schülerinnen und Schüler wirken bei dieser Freiluft-Performance mit, die das persönliche, soziale und gesellschaftliche Gleichgewicht in Zeiten der Globalisierung thematisiert. 
Von der Trennung zwischen Arm und Reich ist die Rede und von Außenseitern. Mal wird ein Glücksrad in Sachen Wirtschaft gedreht, mal skandieren die Darsteller „Kaufen Sie Balance“ oder „Balance für die Welt!“, doch im Wesentlichen geht es um die Jugendlichen selbst. Wenn diese über „Stressmonster“ in der Familie sprechen oder wenn sie sich über falsche Freunde ärgern, können sie schon mal so außer Kontrolle geraten, dass sie die eigene Balance nicht mehr finden. Die Darsteller schauen aus den Fenstern des Rathauses und führen dort Problemgespräche, üben unten auf den Stufen Yoga oder kämpfen mit ihren Zelten im Sturm. Die Dramaturgie ist so quirlig wie die Beteiligten selbst; Cactus Junges Theater erzählt keine Geschichten, sondern wirft Schlaglichter auf die Gesellschaft und ihre jungen Menschen, die sich selbst augenzwinkernd nicht immer ganz ernst nehmen und das Publikum, allem Ernst zum Trotz, amüsieren. Den roten Faden bildet ein Kapitän mit seiner Mannschaft, der sich vorwärts kämpfen muss. Mal treibt es die Truppe nach links, mal nach rechts, mal vor, mal zurück. Und das Publikum geht mit, wandert einmal quer über den Rathausinnenhof und staunt über so viel Darstellungsfreude. Die Balance finden sie übrigens am Ende – durch Glaube und Hoffnung, vor allem aber durch Liebe.
„Balance“: 20. und 21.6., 20.30 Uhr, Rathausinnenhof.